Der Hund von Baskerville

Angenehmer Grusel, gepflegter Krimi

Daniel Sempf und sein Hörtheater regten die Fantasie mit Stimmen, Geräuschen und ein paar Hüten an.

Was Daniel Sempf da inszenierte, sei „ganz großes Kopfkino”, urteilte ein Zuschauer am Donnerstag nach der Premiere des Open-Air-Hörtheaters von „Der Hund von Baskerville” auf dem Gelände der Waggonhalle.

Marburg. An etwa 200 Stellen spielte Sempf während der Vorstellung Musik und Geräusche ein – vom Pferdegetrappel bis zu dem Knirschen von Schritten auf dem Kies, vom schaurigen Heulen bis zum Volksgewusel in London. Doch war dies nur unterstützendes Beiwerk. Schnell war klar: Lola, der Spaniel der Ärztin Dr. Mortimer (live gebellt, gehechelt, geschnuppert und gejault) avancierte schnell zum Publikumsliebling.

Wunderbar fügten sich auch die Geräusche von vorbeifahrenden Zügen von der nahegelegenen Bahnstrecke in die Geräuschkulisse ein, in der Sherlock Holmes und Dr. Watson dem Geheimnis des Fluchs der Baskerville auf die Spur kommen.

Fiel es zunächst noch ein bisschen schwer, die insgesamt 18 verschiedenen Figuren, die von den Schauspielern gesprochen wurde, richtig zuzuordnen, zog mit fortschreitender Dämmerung die Atmosphäre immer weiter zu: Die indirekt angeleuchteten Bäume wogten im Wind, ab und an schoben sich kleine Wolken vor den fast vollen Mond. Mitunter war nicht so recht klar: Ist dieses Geräusch nun live oder kommt es vom Band? Das gibt Gänsehaut.

Die vier Schauspieler, die beim Hörtheater ja kaum auf ihre Gestik und Mimik setzen können, hatten nur ihre Stimmen, um mal einem groben Kutscher, einem affektierten Schmetterlingssammler, mal dem wohlerzogenen, etwas unerfahrenen Sir Henry Tiefe und Persönlichkeit zu verleihen. Der Spaß, den alle vier an dieser Art von Theater haben, übertrug sich alsbald aufs Publikum.

Christine Reinhardt schniefte als Haushälterin, zwitscherte putzig als kleiner Botenjunge und versprühte als kurzzeitig Verdächtige spröden Charme.  Als Requisiten reichen den Schauspielern schicke Kleidung und jede Menge Hüte und Mützen. Sempf führt, wenn er nicht gerade Geräusche einspielt, als Dr. Watson mit angenehmer Zurückhaltung durch die Geschichte.

August 2010 / von Christine Krauskopf