Der blaue Karfunkel

Düstere Gassen, Geräusche von fahrenden Kutschen, vornehme Herren in Leder und Tweed, dazu britisches Wetter und ganz viel Pfeifentabak. All das prägt unser Bild vom London des späten 19. Jahrhunderts, zu dem der reale Schrecken eines Jack the Ripper ebenso gehört wie der fiktive Detektiv Sherlock Holmes.

Marburg. Eben jener berühmte Detektiv wird in dem aufwändigen Hörspiel „Der blaue Karfunkel“ von der Hörtheatrale Marburg zu neuem Leben erweckt. Die alten Mauern des Lomonossow-Kellers bieten eine stimmige Kulisse, dazu wird mit Geräuschen aus allen Richtungen, künstlichem Nebel und Beleuchtung, für viktorianische Atmosphäre gesorgt. Im Mittelpunkt stehen natürlich auch im siebten Abenteuer des Autors Arthur Conan Doyle, die beiden Figuren Sherlock Holmes und Dr. Watson, die es diesmal mit einem kostbaren Juwel, dem „Blauen Karfunkel“ zu tun bekommen. Eben jener wurde gestohlen und findet sich überraschend im Kropf einer Weihnachtsgans wieder, die der berühmte Detektiv, gespielt von Stefan Gille, eher zufällig erbeutet.

„Wir haben uns in dieser Zeit ganz bewusst für dieses weihnachtliche Stück entschieden, im weiteren Verlauf gibt es daher auch noch besonders festliche Szenen und wir haben sogar die Marktglocke in das Stück eingebaut“, erklärt Daniel Sempf, der den Klassiker zum Hörspiel umschrieb und neben der Figur des Dr. Watson noch diverse weitere Nebenrollen spricht. Natürlich liegt der Fokus bei einem Hörspiel vor allem auf dem gesprochenen Wort, doch darüber hinaus ist es die Dynamik zwischen den beiden Darstellern, die das Stück mit Leben füllt.

Seit sechs Jahren treten Gille und Sempf zusammen auf und haben mittlerweile viele treue Fans. „Vor allem bei solchen Premieren kommen unsere langjährigen Zuhörer, da freuen wir uns natürlich besonders, auch vertraute Gesichter zu sehen“, sagt Gille.

90 Zuhörerinnen und Zuhörer aller Altersgruppen erlebten die Premiere im Keller und lauschten gebannt. Wer wissen möchte, wie der blaue Karfunkel in der Weihnachtsgans landet, an welcher Stelle die Marburger Glocken läuten und was ein abgetragener Hut über den spannenden Fall aussagen kann, der ist gut beraten, sich die nächsten Veranstaltungen der Hörtheatrale vorzumerken.

Oberhessische Presse / von Marcus Hergenhan