Krieg von Ludwig Renn

Live-Hörspiel gegen das Vergessen

Hörtheatrale erinnert an 1. Weltkrieg

Marburg
Eigentlich kennt man Daniel Sempf und Stefan Gille von der Hörtheatrale Marburg aus Live-Hörspielen zu den berühmten Werken von Arthur Conan Doyle rund um Sherlock Holmes. Bereits 14 Stücke hat Sempf in Szene gesetzt und zehn davon zusammen mit Gille auf die Bühne gebracht. In „Krieg” legen die beiden Schauspieler jedoch die Rollen der berühmten Ermittler ab, um als Soldaten des 1. Weltkrieges alle Grausamkeiten und Abscheulichkeiten eines Krieges zu durchleben. Basis ist der Roman „Krieg” von Ludwig Renn „Heute kann man in der Gesellschaft viele Parallelen zu damals beobachten. Da macht es Sinn, eine Rückschau zu halten und sich geschichtlicher Ereignisse zu erinnern, um nicht wieder die gleichen Fehler zu machen”, erklärt Sempf die Beweggründe. Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg, die europäische „Urkatastrophe”, die der Autor Ludwig Renn in seinem Roman „Krieg” von 1928 beschreibt. Es ist die Geschichte eines jungen Berufssoldaten der Augenzeuge der Massaker und leiden des Krieges wird. In dem Live-Hörspiel verknüpft die Hörtheatrale den Roman eng mit der Geschichte der „Marburger Jäger“ dem Hessischen Jäger-Bataillon. Die rekrutierten Jäger und Förster wurden oft als Kundschafter und Scharfschützen eingesetzt und nahmen zu Beginn des Krieges an der Eroberung Belgiens teil. Später folgten Einsätze in Frankreich, Oberitalien und den Karpaten und das Bataillon erlitt große Verluste. Heute erinnert noch die „Jägerkaserne“ im Südviertel Marburgs an das Bataillon.

Daniel Sempf führte Regie und ist einer der beiden Sprecher in der Produktion, die am Wochenende im Lomonossow-Keller Premiere hatte. Bei der Gestaltung des Live-Hörspiels ließ er sich viel von Musik inspirieren, komponiert von Ben Streibig aus Köln: „Musik ist ein Gefühlsträger. Man kann mit ihrer Hilfe Situationen auf unterbewusster Ebene verwirklichen.” So entsteht die düstere und bedrückende Atmosphäre einer realen Gefahr, die sprachlich, akustisch und bildlich äußerst kunstvoll in Szene gesetzt wurde.

Das Hörspiel wird explizit für Schulklassen angeboten.

von Valeria Levin / 18. März 2018