Ludwig Renn und der Krieg


Ludwig Renn wurde 1889 als Arnold Friedrich Vieth von Golßenau in Dresden geboren. Sein Vater war Mathematikprofessor und Erzieher des sächsischen Prinzen Friedrich August Georg von Sachsen, mit dem Renn in jungen Jahren freundschaftlich verbunden war. Seine Mutter stammte aus einer großbürgerlichen russischen Familie. Nach dem Abitur begann Renn eine Offizierslaufbahn im 1. Königlich-Sächsischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 100, in dem auch der sächsische Prinz diente. Mit diesem Regiment brach Renn im August 1914 zur Westfront auf.

In seinem Roman „Krieg“ verarbeitet er autobiographisch seine Erlebnisse während des ersten Weltkrieges. Immer wieder steht die Gewalt, auch gegen unbewaffnete Zivilisten im Zentrum des Geschehens und immer wieder beschreibt Renn detailreich den Tod von Kameraden. Zunächst führte er beflissen seine Befehle aus, doch zunehmend ahnte er, dass die Kampfhandlungen und die Tode völlig sinnlos sind. An der Westfront war Renns Regiment an vielen wichtigen Kriegsschauplätzen vertreten. Er berichtet von der Schlacht an der Maas, dem Stellungskrieg von Chailly und der Somme-Schlacht.

1919 kehrt Renn nach Dresden zurück, aus einem Krieg der über vier Jahre andauerte und etwa 17 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Zuletzt war er als Befürworter der Novemberrevolution zum Wahlführer seines Bataillons ernannt worden. Er war während des Krieges immer wieder befördert worden und bekleidete nun den Rang eines Hauptmanns. Nach seiner Rückkehr arbeitete Renn als Hundertschaftsführer bei der sozialdemokratisch ausgerichteten Sicherheitspolizei in Dresden. Jedoch weigerte er sich während des Kapp-Putsches auf revolutionäre Arbeiter zu schießen und quittierte kurz darauf seinen Militärdienst. Es folgten Jahre des volkswirtschaftlichen und juristischen Studiums, während denen Renn an seinem Roman „Krieg“ arbeitete. Er erschien 10 Jahre nach Kriegsende, zunächst als Vorabdruck in der Frankfurter Zeitung.

Das Miterleben polizeilicher Gewalt gegen demonstrierende Arbeiter beim Kampf um den Justizpalast in Wien 1927 bezeichnete für Renn einen Wendepunkt. Er trat 1928 in die KPD ein und gab seinen Adelstitel auf. Fortan nannte er sich nach der Figur seines Erstlingswerkes Ludwig Renn und gab die kommunistische Literaturzeitung „Linkskurve“ heraus, die er teilweise durch seine Erträge aus dem Verkauf von „Krieg“ finanzierte. Während dieser Zeit erschien auch sein zweites Werk „Nachkrieg“, das über die politischen Verhältnisse in den Jahren 1919 und 1920 berichtet. Während „Krieg“ noch ein durchaus objektives Bild der Geschehnisse zeigt, ist „Nachkrieg“ wesentlich geprägt von Renns politischen Idealen. Aus dem aristokratischen Sohn eines Professors und Prinzenerziehers war ein linkspolitischer Schriftsteller geworden, der sich für die Rechte von Arbeitern und Demonstranten einsetzte.

Nachdem Renn 1934 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 30 Monaten Zuchthaus verurteilt wurde, floh er nach seiner Entlassung nach Spanien. Dort kämpfte er auf Seiten der Republik als Kommandeur im spanischen Bürgerkrieg und leitete eine Offi ziersschule der Volksarmee. Nachdem er sich in „Krieg“ fragt: „Warum muss ich wieder ins Feuer hineinlaufen? […] Ist es nicht einmal genug?“ überrascht es, dass Renn sich erneut freiwillig zum Militärdienst meldet und es lässt sich wohl nur durch seine starken politischen Überzeugungen erklären.

Nachdem er, nach der Niederlage der Republikaner in Spanien, einige Jahre in Mexiko im Exil verbrachte, kehrte Renn 1947 nach Deutschland zurück. Er trat in die SED ein und übernahm die Leitung des Kulturwissenschaftlichen Instituts der TU Dresden. 1948 wurde er Vorsitzender des Kulturbundes Sachsen und schrieb vornehmlich Kinderbücher. Später, als freier Schriftsteller, lebte er in Berlin (Ost), zusammen mit zwei Freunden in einer offenen homosexuellen Beziehung. Damals galt dies als Sensation. Renn starb 1979 mit 90. Jahren in Berlin(Ost).

Auch 100 Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges hält Renns Roman „Krieg“ die schrecklichen Geschehnisse dieser „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ lebendig und dokumentiert für die Nachwelt das Leben eines Soldaten in dieser nationalistischen Epoche.

Lea Pfeifer